Dominica – Die Karibikinsel will mit mehreren ehrgeizigen Projekten stärker ins touristische Rampenlicht rücken. Maßnahmen in Tourismus, Infrastruktur und Naturschutz festigen den Ruf der Insel als spannendes Naturreiseziel in der Karibik. Zwischen Regenwald-Refugien, Seilbahnplänen und Meilensteinen im Meeresschutz versucht Dominica den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Abenteuer – und das scheint anzukommen: Die Leser der Reisezeitschrift „Travel + Leisure“ wählten laut Marketingbüro der Insel diese zur Nummer Eins der Karibik. Welche Anforderungen und Erwartungen eine solche Bewertung mit sich bringt ist natürlich schwer fassbar.
World’s Best Awards 2026: Dominica Nummer Eins der Karibikinseln?
Dominica ist laut den „World’s Best Awards 2026“ der Spitzenreiter unter den Karibikinseln. 661.000 Leserinnen und Leser von „Travel + Leisure“ kürten die Naturinsel nicht nur zur Nummer Eins in der Karibik, sondern auch zur Nummer Neun unter den Inseln weltweit.
Dominica steht für unberührte Natur, Vulkanlandschaften, dichten Regenwald und ein Karibikgefühl ohne Massenandrang. Statt Strandliegen in Reih und Glied gibt es hier noch Inselabenteuer, so die Marketingaussage. In Zeiten von Instagram- und Influencer-Hype ist allerdings durchaus fraglich, wann oder wie schnell sich das ändert. Wo viel über unberührte Natur gesprochen wird, kann schnell alles berührt werden.
Natürlicher Luxus mitten im Regenwald
Tief im smaragdgrünen Inselinneren bereitet sich das Sanctuary Rainforest Eco Resort and Spa auf die Eröffnung im August 2026 vor. Das Resort setzt einen neuen Akzent im Luxustourismus von Dominica. In der Nähe der Gemeinde Laudat und unweit von Naturhighlights wie den Middleham Falls und der Titou Gorge gelegen, ist es als intensives Naturerlebnis konzipiert. Geplant sind 72 Zimmer, ein Infinity-Pool mit Blick ins Grüne, Yogastudios und ein Spa-Bereich. Zudem wird das Sanctuary das erste Mitglied von Small Luxury Hotels auf Dominica.
Eine Seilbahn, die Rekorde brechen soll
Zu den am meisten erwarteten Projekten gehört die Dominica Cable Car, deren Fertigstellung für Oktober 2026 geplant ist. Sie soll Besuchern eine der spektakulärsten Landschaften der Insel aus neuer Perspektive zeigen. Die hochmoderne, fast sieben Kilometer lange Anlage wird als voraussichtlich längste Einseilbahn der Welt angekündigt. Ein technischer Begriff und Faktenbehauptung, die schwer überprüfbar ist. Die Bahn führt vom Roseau-Tal bis ins vulkanische Kernland nahe des Boiling Lake – über Regenwald und vorbei an beeindruckenden Tälern.
Was bisher eine anspruchsvolle sechsstündige Wanderung erforderte, wird künftig in einer kurzen Touri-Bahnfahrt gegen gebühr über dampfende Gipfel und unberührte Waldlandschaften abzuhaken sein. Damit wird das Naturerlebnis für deutlich mehr Menschen zugänglich, der Weg zum Massentourismus ist damit eröffnet, denn die Seilbahn soll bis zu 1.000 Passagiere pro Stunde befördern können. Für Dominica wird das auch touristisch ein kräftiger Rückenwind.
Auf dem Weg in eine klimaresiliente Zukunft
Das Geothermieprojekt in Laudat speist bereits sauberen Strom ins nationale Netz ein. Mit einer Kapazität für rund 23.000 Haushalte soll es ein wichtiger Baustein auf Dominicas Weg, für das hochspekulative Ziel bis 2030 die weltweit erste klimaresiliente Nation zu werden angehen. Wie überall auf der Welt gilt: hochgesteckte, edle und anspruchsvolle Bestrebungen, die Bewunderung oder Ehrfurcht erwecken sollen. Mit dem Budget einer überschaubaren Insel und ohne Massentourismus dürfte dies schwierig werden. Eine konkrete Finanzplanung scheint es noch nicht zu geben. Auch Solarenergie spielt auf der grünen Insel laut Marktingankündigung eine wachsende Rolle. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung von Häusern, sondern um die Energiezukunft der gesamten Insel.
Schutz für die Meeres-Giganten
Mit dem weltweit ersten Schutzgebiet für Pottwale nimmt Dominica eine Vorreiterrolle im Meeresschutz ein. Das 300 Quadratmeilen große Areal entlang der Westküste soll noch in diesem Jahr offiziell eingerichtet werden. Dominica ist ein Ort, in dessen Gewässern Pottwale ganzjährig leben. Das Schutzgebiet soll ihren Lebensraum dauerhaft sichern – für heute und für kommende Generationen. Ein eigens eingesetzter Verwaltungsrat überwacht Schutz und langfristige Bewirtschaftung.
Fortschritte beim Flughafenbau
Auch beim ersten internationalen Flughafen Dominicas geht es voran. Der Bau ist bereits zu 65 Prozent abgeschlossen, die Eröffnung ist jedoch erst zur Wintersaison 2027/28 geplant. Zu den wichtigsten Arbeiten zählen umfangreiche Erdbewegungen für die Start- und Landebahn, der Ausbau der Infrastruktur am Boden und der Bau des Flugsicherungsturms. Mehr als 20 Fluggesellschaften stehen auf der Wunschliste Domenicas. Massentourismus welcome. Parallel dazu hat der Douglas-Charles Airport sein Angebot erweitert, unter anderem durch eine bessere regionale Anbindung mit Contour Airlines und neuen Nonstop-Flügen ab San Juan (Puerto Rico) und St. Thomas (US Virgin Islands).
Steigende Besucherzahlen
Schon jetzt zeigt sich Dominica bei den Besucherzahlen im Aufwind: 2025 verzeichnete die Insel ein Plus von 19 Prozent bei den Übernachtungsgästen aus aller Welt. Insgesamt reisten 99.148 Gäste an und damit mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019 mit 89.626 Besuchern.
Wer auf der Insel Urlaub machen will, sollte sich schon jetzt auf Menschenmengen einstellen. Die Insel wirbt damit, dass der Kreuzfahrtsektor ebenfalls zulegte und 382.923 Passagiere auf der Insel begrüßt werden konnten – ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2024. Eine ungewöhnliche Werbeaussage für eine Destination, die zugleich behauptet, nicht dem Massentourismus zu frönen. Denn nicht nur für Venedig, Palma und auch andere Karibikinseln gilt: Wenn ein riesiges Kreuzfahrtschiff anlegt, und innerhalb kürzester Zeit mehrere Tausend Kreuzfahrtpassagiere an Land gehen, profitiert eine Inselstadt kaum. Weder volle Restaurants noch Hotels können mit Umsatz oder gar nachhaltigen Vorteilen rechnen. Denn wer an Bord bereits pauschal für riesige Vollpensionsbuffets bezahlt hat, wird seine kurze Zeit im Naturparadies kaum für Umsatz sorgen. Abgesehen vielleicht von einem Verdauungsespresso, einem Kühlschrankmagnet und ähnlichen Microausgaben.
Der Weg zur Massendestination ist bereits geebnet: Auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz steigt das Besuchervolumen auf Dominica. Die Zahl der Gäste aus der DACH-Region kletterte 2025 um 16,7 Prozent auf 2.427. Damit verstärkt sich der Spannungsbogen zwischen Naturschutz-Image und Wachstumsoffensive. Unklar ist auch, welche ökologischen Belastungen große Resort- und Infrastrukturprojekte noch mit sich bringen werden.
Besonders beliebt ist die Insel in der kühleren Jahreszeit von November bis März/April – also genau dann, wenn viele gern dem Winter entfliehen möchten.
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